JOMO

In den ersten Sekunden von JOMOs Debüt-EP "Bilderstürmer" wird klar, in was für eine Welt man für die kommenden sechs Songs gerissen wird. Eine bedrohlich wirkende Szenerie aus düsteren Melodien, akustischen Drums, vielschichtigen Soundflächen und gesampleten Stimmen. Die Ruhe vor dem Sturm, der unausweichlich scheint. Dazu Rap, der in unsortierten Sätzen wie Gedankenfetzen an einem vorbeirast. Worum geht es hier? Donald Trump, Panikattacken, AfD, Drogenabhängigkeit und Major Labels. Passt das zusammen? Ein ruhiger, aber sehr bestimmter Tonfall. Die Stimme wird lauter, aggressiver und steigert sich bis zur Extase. "Tut mir leid, dass dein Management meine Wut nicht managen kann" - diese letzte Zeile des Intros brennt sich sofort in den Kopf, bis endlich der erlösende Drop einsetzt und der Song förmlich explodiert.
Eingehüllt in Musik, die weit über das Genre Rap hinaus geht, schafft JOMO gekonnt den Spagat zwischen brachialer Gewalt, staubiger Beat-Ästhetik, großen Hymnen und zerbrechlichen, melancholischen Momenten. Voice-Samples treffen auf Postrock-Gitarren, verzerrte Drums auf epochale Bläsersätze. Mit "Bilderstürmer" streckt JOMO zwei Mittelfinger Richtung Einheitsbrei und beweist endgültig, dass er das Potential hat in der oberen Liga mitzuspielen - mit eigenen Regeln.